Die Geschichte des Upcycling

Die Geschichte des Upcycling

upcycling-geschichteErfunden bzw. erstmals verwendet wurde der Begriff vom Ingenieur Reiner Pilz, welcher sich kritisch im Jahre 1994 in einem Artikel der Zeitschrift „Salvo“ äußerte. Pilz kritisierte die Abfallrahmenrichtlinien und das Baustoffrecycling, indem er den Prozess des Recycling als Downcycling beschreibt. Laut ihm würden verwendbare Rohstoffe zerstört, anstatt diese zu nutzen. Man müsse Rohstoffe aufwerten (upcyclen) um ein Produkt eines höheren Wertes zu erlangen. Somit waren der Begriff und der damit verbundene Gedanken geboren. Bis dieser jedoch bei uns ankommen würde, dauerte es noch einige Jahre, denn wie jeder weiß, gab es nie eine verschwenderischere Zeit als die nach der Jahrtausendwende.
Reiner Pilz selbst ist Inhaber der Pilz GmbH mit Sitz in Burgdorf. In diesem Unternehmen entwirft und produziert er Einrichtungen für Läden und Privaträumer aller Art. Des Weiteren handelt er mit Möbeln und Materialien aus der Antike. Pilz sieht sich in seiner Tätigkeit als Designer und realisiert in Zusammenarbeit mit Architekten auch große Projekte wie schlüsselfertige Wohnräume. Die Verarbeitung und Verwendung schon existierender Materialien spielt für Pilz hierbei eine große Rolle. Er ist stets bemüht alte Materialien in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Seine Leidenschaft zu Antiquitäten kommt hierbei genau richtig und lässt sich mit vielen Kundenwünschen ideal vereinbaren.
Durch seine Äußerung im „Salvo“ ist Reiner Pilz also der Vater des Upcyling. Er denkt hierbei nicht nur nach diesem Muster, sondern lebt es auch. In seinen Arbeiten lassen sich viele Elemente des Upcycling wiederfinden und somit kann man Reiner Pilz ruhigen Gewissens als vorbildlichen Begründer und Weiterdenker einer grünen Idee bezeichnen.
Doch was Pilz nicht wusste war, dass diese Praktik in anderen Ländern dieser Welt schon seit langer Zeit existierte. So ist es in Ländern der Dritten Welt übliche, das bestehende und nicht mehr benötigte Materialien und Rohstoffe aufgewertet werden, um sie so sinnvoll weiter zu nutzen. Es ist interessant, dass gerade diese Völker, welche in der Öffentlichkeit oft als unterentwickelt gelten, uns doch einiges voraus haben. Denn während wir nur stets unseren Kopf ausschalten und funktionieren, gehen dies Menschen den richtigen Weg und hinterfragen Dinge. Dass es sinnvoll ist, Rohstoffe zu schützen und wiederzuverwenden oder aufzuwerten, wie es beim Upcycling üblich ist, haben wir nicht herausgefunden. Es musste erst jemanden geben, der uns diesen Weg aufzeigt. Solange wir in unserer Scheinwelt leben, die Supermarktregale gefüllt sind und monatlich das Gehalt auf dem Konto ist, kümmert uns nicht, was uns nicht betrifft. Das dies nicht ewig so weitergehen kann, ist nur den wenigsten wie Reiner Pilz klar. Ein Glück, dass es noch Menschen wie sie gibt.
Im Jahre 1997 veröffentlichte Gunter Pauli ein Buch mit dem Titel „Upcycling-Konzept“. Dieses Werk war eine Detailgenaue Wiedergabe des von Pilz erschaffenen Konzepts. Dieses wurde 2002 von McDonough und Michael Braungart in ihrem 2002 erschienenen Buch „Cradle to Cradle“ eingearbeitet und damit in die moderne Welt getragen.
Heute feiert die Idee bzw. das Konzept vor allem in den Vereinigten Staaten große Erfolge. So hat sich die Anzahl an getaggten Produkten mit einer bekannten amerikanischen App mit dem Begriff „upcycled“ von 2010 an jährlich um 30.000 Aufrufe pro Jahr erhöht. Da Deutschland unter großem Einfluss der Amerikanisierung steht, ist es also nur noch einige Frage der Zeit, bis dieser Trend auch in den Köpfen vieler hierzulande lebenden angekommen ist.

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